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Mit deutscher Gründlichkeit…

20. November 2008 Kategorien: Hennings Handy-Welt

Mit deutscher Gründlichkeit beschäftigt sich Deutschland mit dem Thema Datenschutz vorzugsweise bei der Telekom. Andere Unternehmen und andere Themen drohen dabei unterzugehen.

Wenn es einer Firma schlecht geht, sind die Nerven gespannt. Wer da etwas Falsches sagt oder tut, darf gehen. Wer gar der bösen Presse steckt, was ihm nicht passt, ist “ein Feind des Hauses und muß aufgespürt und unschädlich gemacht” werden, so die gängige Denkweise. Alltag in vielen Firmen weltweit, egal ob Auto, Finanzen, Telekommunikation oder was auch immer. Die Suche, warum es der Firma eigentlich schlecht geht, gerät dabei zur Nebensache.

Also vor einigen Jahren der Börsenkurs der Telekom nicht mehr steigen wollte und die Presse pikante Insider-Details veröffentlichte, meinten einige Herren, sie müßten mal ein wenig “ermitteln”. Weil der oberste “Datensammler” auch noch die Post und das Fliegen miterledigen wollte, “durfte es noch etwas mehr sein”, mehr als jemals erlaubt war. Schlimm genug.

Damals sollen Kinder von Aufsichtsräten, persönliche Sekretärinnen, Gewerkschafter, Journalisten und wer weiß noch alles “überwacht” worden sein. Und? Hat es geholfen? Nein! Der Börsenkurs ging runter, so oder so. Getreu dem Motto: “Der Lauscher an der Wand, hört oft die eigene Schand.” Wozu also der ganze illegale Aufwand? Es hat sich – zum Glück – nicht gelohnt, weil es am Ende doch aufflog.

Und: Immerhin wurden einige schwarze Gelder auf dem Weg nach Liechtenstein rechtzeitig erwischt.

Nun regen sich bestimmte Leute auf, daß man bei T-Mobile nicht alle 17 Milionen vom Datenklau betroffene Kunden persönlich angeschrieben oder angerufen hat, daß ihre Daten möglicherweise im Umlauf waren. Nur: Was hätte das denn geholfen? Wieviele von den 17 Millionen Datensätzen stimmen heute noch? Wieviel Aufwand (und Geld) soll verbraten werden, um all diese 17 Millionen Leute zu finden und zu informieren?

Eine klare Ansage der T-Mobile, daß alle Kunden von T-Mobile Original, die im Jahre 2006 “unter Vertrag” standen, davon betroffen sein könnten, hätte das Problem elegant auf den Punkt gebracht.

Jetzt soll alles anders und besser werden. Der leidgeplagte Fachhandel soll jetzt von T-Mobile aufgefordert worden sein, alle Kundendaten zu löschen, um dem Datenschutz Genüge zu tun. Damit könnte (theoretisch) verhindert werden, daß verzweifelte Händler oder von ihnen beauftragte Call-Center-Agenten ahnungslosen Leuten falsche oder nicht gewollte Verträge, Tarife und Optionen verkaufen wollen, weil sie nicht wissen, wovon sie morgen ihre Stromrechnung bezahlen sollen. Selbst wenn das Löschen bei der Telekom klappen sollte, wieviele andere Anbieter verschiedener Dienstleistungen suchen weiter verzweifelt nach Kunden? So trifft es nur ein paar kleine Händler, die mit den Daten nichts böses im Schilde führen, außer ihren Kunden möglichst guten Service zu liefern.

Eher würde die nachträgliche verpflichtende schriftliche Zustimmung zu allen am Telefon abgeschlossenen “Verträgen” helfen. Wenn der telefonisch bestellte Pizzabote kommt und der Kunde zahlt, ist doch alles klar. Zahlt er nicht, hat der Pizzabote Pech. Doch bei der nachträglichen Zustimmung hat unsere Justizministerin Zypris gewaltige Bauchschmerzen. Hat die Pizza nicht geschmeckt?

Den wirklich bösen Lotteriebuben, Preselection- oder DSL-Drückern und anderen Nervensägen würde durch die nachträgliche Zustimmung wirksam das Geschäft verleidet.

Ich denke, wir brauchen jetzt Lösungen und Konzepte und keine Hetzjagd auf Leute, die vor 2-3 Jahren wirklich oder vermeintlich ziemlichen Murks gebaut haben. Wir brauchen eine radikal neue und offene Denkweise.

Wir brauchen Klarheit im Markt: Das heißt klare und allgemein verständliche Angebote. Tarife, die sogar Pisa-Schüler verstehen und nachrechnen können und eine offene Informationspolitik statt Geheimniskrämerei.

Die Kunden wollen wissen, was sie mit ihrem Telefon machen können, damit es funktioniert und was das kostet, ohne Angst und Nebenwirkungen, 122 Fußnoten und unbeherrschbaren Kostenrisiken.

Die Mitarbeiter der Unternehmen wollen wissen, wie sie ihre Kunden ehrlich und überzeugend beraten dürfen und ob ihr Arbeitsplatz auch morgen noch sicher ist.

Mobile Kommunikaiton wird – allen Wirtschaftsrisiken zum Trotz – auch morgen und in Zukunft wichtig sein. Dafür brauchen wir aber wirklich gut funktionierende und flächendeckend ausgebaute Netze ohne permanente Störungen, Funklöcher oder Datenstau. Wir brauchen für eine immer komplizierter scheinende Technik viele wirklich gut ausgebildete und gut bezahlte echte Fachleute, die ihr Wissen ihren Kunden überzeugend und verständlich vermitteln und die gestellten Fragen erklären können, ohne Druck noch diesen Tarif oder jene Option dazuverkaufen zu müssen, ob der Kunde sie braucht oder nicht.

Derzeit sind hochbezahlte Mobilfunkmanager in den Shops “an der Basis” unterwegs. Hoffentlich hören sie genau zu und setzen das Gelernte auch am Ende um. Halbfertige Produkte ohne Beratung in riesigen Konsumtempeln, wo sich der Einzelkunde “verlassen” vorkommt, verärgern und verunsichern nur die Kunden und bringen keinem was, im Gegenteil.

Der einst viel gescholtene Service-Provider Mobilcom hat das längst verstanden. Er bietet für 2,99 Euro im Monat Aufpreis eine kostenlose Kundenhotline an. Wer das Paket bucht, bekommt ein kostenloses Ersatzhandy (wenn das eigene Handy streikt) und kann sich sogar seine PUK-Supergeheimzahl am Telefon nach hoffentlich eindeutiger Identifizierung sagen lassen. Eigentlich sollte solche Angebote zum Grundangebot eines Tarifes gehören. Aber im Zeitalter von “alles muß noch viel viel billiger werden”, ist das irgendwo verloren gegangen.

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Eine Reaktion zu “Mit deutscher Gründlichkeit…”

  1. werner Says:

    Absolut richtig was du schreibst. Nur mit Ehrlichkeit und verständliche Tarifen und Service kann man langfristig Kunden binden. Meine Frau war über 6 Jahre Kunde bei einem Mobilfunkbetreiber der von sich behauptet 99 Prozent flächendeckende Netzabdeckung zu haben. Was nach ihrer persönlichen Erfahrung einfach so nicht stimmt. Deshalb hat sie mich heute gebeten eine Kündigung zu schreiben. Lügen haben halt kurze Beine bei manchen treuen Kunden.

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