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Nokia und die Netzbetreiber – Erste Erlebnisse mit OVI

22. January 2010 Kategorien: Hennings Handy-Welt

Nokia und die Netzbetreiber – Erste Erlebnisse mit OVI

Die Einladung kam kurzfristig. “Wichtige Ankündigung am Donnerstag – in Berlin, noch streng geheim”, aber soviel war klar, es mußte irgendwas mit OVI sein. Also Flug gebucht und…

.. bestätigen wir den Flug ab Mannheim nach Berlin (ideal, weil ich in der Gegend wohne) ab 6.30 Uhr. Ein Tag später: Anruf der Reiseagentur “Ähm, die haben den Flug um 2 Stunden vorgezogen, warum weiß ich nicht, das wollte ich Ihnen nicht zumuten, es geht auch ein Flug um 7.55 Uhr. Ok. Gebucht. Wieder ein Anruf: Der Flug wäre erst um 10, also zu spät. Also “Umleitung” über Frankfurt, mit dem ICE hin, vom Flughafen um 8.10 weg, passt.

Alles ging glatt, alles pünktlich ich war schon um 7 Uhr am Gate – da stand eine Maschine zum Einsteigen für 7.00 bereit, doch meine war ja um 8.10 Uhr vorgesehen.

Und dann um 8 Uhr die Ansage: “Wir haben wegen des Wetters den Flug gecancelled”.

Alternative? Ja, Abflug 10.20. Zu spät :-(

Nun, es gäbe auch einen Flug um 8.15 Uhr, der eigentlich um 7.30 gehen sollte, aber verspätet sei, doch der war rappelvoll, ein Platz vor mir war dann – Ende.

Ein weiterer Flug sei für 9 Uhr geplant, ginge aber erst um 9.15, das könnte noch klappen, Warteliste? Ja.

Ich machs kurz, alle auf der Warteliste durften mit, um 11 Uhr war ich bei Nokia.

Dort wurde gerade OVI Maps 3.0 vorgestellt, was es jetzt für die Käufer passender Nokia-Navi-Handys mit Betriebssystem Symbian S60 3.2 kostenlos “for ever” dazu gibt, weitere Modelle werden folgen.

Und das ist schon ein Knüller. Michael Halbherr, bei Nokia für das Thema Navigation zuständig, ist einer dieser seltenen Spezies von führenden Managern, die ihr Produkt wirklich verstehen und erklären können und die jede Frage ohne lange zu zögern fundiert beantworten, das wird keine Sekunde langweilig, der Konferenzbereich im Nokia-Gate5-Gebäude ist rappelvoll, alle hören gebannt zu.

Dann die ersten Demos am lebenden Objekt: Ein relativ neues Nokia 6710s “Die Software ist noch nicht installiert, laden Sie es doch gerade von der OVI-Seite runter!”

Ok, Seite aufgerufen, welchen APN will ich denn, “Vodafone Live!” , wenns sein muß, die Seite kommt: 8,8 MB zum Download, los gehts. Die Wartezeit mit Smalltalk überbrücken, nach 20 Minuten ist es da, im Nokia Gebäude hat Vodafone scheinbar nur 2G Versorgung :-(

Installiert und… Fehler. Zertifikat abgelaufen. Von wegen. Die Handyuhrzeit stimmte noch nicht. Warum? Vodafone sendet kein Zeitzeichen an die Handys, das macht nur o2. Also von Hand einstellen.

Also nochmal geladen und oh Wunder in Fensternähe gibts sogar Vodafone 3,5G, das geht schon richtig flott. Software installiert und rein ins Vergnügen. Ovi-Maps kommuniziert mit Facebook, Lonely Planet und anderen Diensten, das Handy meldet “Zuviele Verbindungen, wollen Sie eine schließen?” Ja will ich… Abbruch, nicht möglich.

Das Vodafone-Konzept mit seinen verschiedenen APNs und Proxies (der LIVE-APN hat eben nicht den vollen Zugriff auf das Internet) hat wieder einmal gnadenlos zugeschlagen. Wie war das mit der Generation Upload?

Einer der anwesenden Navigations-Profis von Nokia nimmts cool, holt ein zweites Handy … mit einer o2-SIM-Karte drin. Der Download mit 3,5G (HSDPA) selbst im frisch renovierten Backsteinbau aus den Gründerjahren geht rasend flott und los gehts mit der Navigation.

Unterwegs im eisigkalten Berlin (-8 Grad) die Gehwege sind nicht geräumt und s…glatt, das Navi findet den Weg, auch wenn ich erst mal “falsch” rum gehen muß, um nach Ausstieg aus der U-Bahn an die Oberfläche den richtigen Weg finden zu können.

Am späten Abend Rückkehr ins beschauliche Neckartal. Raus aus der Bahn, Umstieg in den PKW. Jetzt könnte das Navi-Handy den Weg zeigen. Doch was ist das? … Keine Netzverbindung gefunden.

Klar, weil dieser Bahnhof steht in Hirschhorn am Neckar, wo bis zum 5.1.2010 noch T-Mobile-Roaming für o2 Kunden möglich war. Seitdem aber nicht mehr. Ein eigener o2-Sender steht gegenüber des Neckars oben auf dem Berg, ist aber – warum auch immer – noch nicht betriebsbereit. Ergebnis, kein Netz.

Zum Glück übernimmt kurz hinter Hirschhorn ein weitere o2-Sender die Versorgung wieder, die Navigation ist gerettet.

Die ersten Eindrücke von OVI: Navigieren mit dem Nokia 6710s und seinen Brüdern und Schwestern macht richtig Laune, wenn… man endlich verstanden hat, daß man für moderne Handys einen fairen, bezahlbaren Datentarif braucht. o2 hat das längst erkannt und bietet beispielsweise ein 250 MB Datenpaket für knapp 10 Euro im Monat. Wer mehr als 250 MB verbaucht, wird nicht mit Kosten “bestraft” sondern im Tempo gedrosselt. So ist das richtig. Andere Anbieter (z.B. Simyo oder Blau im Netz von E-Plus) berechnen 24 Cent pro MB, takten das aber in fairen 10 kB Einheiten. Brav brav. (Fonic und Tchibo takten höher, das ist nicht gut.)

Vodafone-Kunden und T-Mobile Kunden müssen große teure Datenpakete buchen, sonst… wirds riskant. Prepaid-Kunden von Vodafone gucken leicht in die Röhre, weil der APN… siehe oben.
Eine Alternative können günstige Discounter in diesen Netzen sein, aber gegenüber E-Plus und o2 sind sie oft noch viel zu teuer.

Es ist wie immer: Nokia führt den Netzbetreibern wieder einmal drastisch vor, daß überhöhte (Daten)-Tarife und mangelhafter Netzausbau die größten Blockierer des Marktes sind.

Wann wird diese Knoten durchschlagen? Ich wiederhole meine eigene These zu Beginn der D-Netz-Ära (begann 1992) und der Satz ist im Prinzip (leider) immer noch richtig:

Es helfen nur Sender, Sender, Sender…

und ich möchte 2010 dazu ergänzen und entsprechende leistungsfähige Backbones und Infrastrukturen.

Und: Es müssen klare, verständliche und bezahlbare Tarife her.

Daß Nokia seine Navigation jetzt verschenkt ist schlau durchdacht: Der Käufer überlegt sich jetzt zweimal, ob er sich ein Stand-Alone-Navi-Gerät kauft (die Tom-Tom-Aktie soll über 10% eingebrochen sein) und wenn er sich ein navigationsfähiges Handy kauft, dann könnte die Entscheidung leicht zugunsten von Nokia fallen.

Sicher da gibt es Google Maps. Doch wer die Demonstrationen von Ovi gesehen hat, kommt ins Grübeln. Speziell die Fußgänger-Navigation ist bei OVI gegenüber Google haushoch überlegen. Das Kartenmaterial im Blackberry… nur zur groben Orientierung zu gebrauchen.

Es reicht halt nicht, ein paar Landkarten einzuscannen und (wie bei Google) die Straßen zu fotografieren.

Mal sehen wie es weiter geht. Nokia ist immer noch für Überraschungen gut.

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6 Reaktionen zu “Nokia und die Netzbetreiber – Erste Erlebnisse mit OVI”

  1. R. Malkovic Says:

    Schöner Artikel, vielen Dank.

    Wurde beim Test die während der Navigation genutzte Datenmenge gemessen?

    Danke
    Robert

  2. Levo Says:

    Hi Henning, die Datenflat von o2 wir ab 200 MB gedrosselt. Nicht ab 250. Viele Grüße

  3. Henning Gajek Says:

    Hallo R Malkovic,

    die OVI-Software zeigt Dir immer aktuell unten rechts an, welche Datenmengen gerade fließen. Ich fahr jetzt gleich mal rund 80km weit und werde mal auf den Datenzähler schauen. GEfährlich ist die Taktung, da diese Daten oft nicht “am Stück” sondern in Häppchen übertragen werden. Wenn also die Taktung 1kB/1kB oder 10kB/10kB ist, hast Du wesentlich mehr davon als bei 100 kB (T-Mobile, Vodafone) oder gar 400 kB (Tchibo). Möglicherweise gibts auch Anbieter die sogar 1MB genau takten…

  4. Tweets that mention Nokia und die Netzbetreiber – Erste Erlebnisse mit OVI – Xonio Blog — Topsy.com Says:

    [...] This post was mentioned on Twitter by Henning Gajek, Nokia Presseteam . Nokia Presseteam said: #HenningGajek hat die ersten Praxiserfahrungen mit #OviMaps gesammelt. Alles im #Xonio Blog: http://tinyurl.com/ya5vq6f [...]

  5. iDet Says:

    Lieber Hennig,

    wenn ich Deinen Ausflugsbericht lesen … dann muss ich wieder lächeln, dass so ein TK-Profi wie Du, immer noch mit solchen Behelfslösungen seine Zeit vergeuden mag.

    Aber Du lächelst ja innerlich über Dich und die ganze Branche! Vielleicht ist dieser Schwachsinn der Zugangsdaten, Tarifstrukturen, 10/10-Taktungen genau der Grund warum APPLE auf der anderen Seite soviel Erfolg hat … und das alle nur … weil es funktioniert !!! Auch der o2o zeigt Erfolge … weil er einfach ist.

    Diese ganze Konfigurationsorgien … wer will dort Zeit investieren und ich Kenntnisse aneignen, die in 2 Jahren wieder völlig überholt sind?

    Jedenfalls musst ich schmunzeln …

  6. Henning Gajek Says:

    Lieber iDet,

    diese “Konfigurations-Orgien” sind immer wieder eine mentale Herausforderung, aber wenn schon der “Insider” darüber knobelt, wie geht es erst dem “Normal”-Kunden?

    Völlig klar: Der durchschlagende Erfolg von Apple spricht für sich.
    Vielleicht gibt es ja noch freundliche Händler, die vor dem Verkauf, dem Kunden das alles einrichten oder geht die Branche inzwischen wie selbstverständlich davon aus, daß der Kunde das gekaufte Produkte sowieso viel besser als der Hersteller und seine Leute versteht? :-)

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