RSS|Vodafone kramt seine Marke o.tel.o als “Vodafone-Billigmarke” hervor und “erfindet” den Discounter neu. Warum eigentlich?
Mein Blog wurde bestätigt: “o.tel.o” oder “otelo” wird als neue Billigmarke pardon Discount-Marke von Vodafone “erfunden”. Dabei hatte sich der Vodafone CEO Fritz Joussen völlig zu Recht lange geweigert, eine Billigmarke aufzumachen, weil es seine Kern-Marke beschädige. Recht hatte er.
Der “Vater aller Discounter” Rolf Hansen, CEO bei Simyo findet das gut: „Wir freuen uns, dass auch Vodafone den Trend nach 5 Jahren anerkennt. Das Eintreten von Vodafone in das Segment wird für den Markt sicherlich die positive Entwicklung fortsetzen. Davon werden die hierbei als Erstes die bereits etablierten Marken und die Konsumenten profitieren– Alles Gute zum Start – auf weiterhin fairen Wettbewerb …“ und im Rahmen einer Guerilla-PR-Aktion wurde das Vodafone Hochhaus in später Nacht mit Simyo – Tue Gutes in Dein Handy angeleuchtet.
Was löste den Sinneswechsel bei Vodafone aus? Wozu braucht die Telekom “Congstar”, wozu o2 den Discounter “Fonic”, wozu E-Plus sein Markensammelsurium?
Das Leben könnte so einfach sein. Vodafone hat das Prepaid-Angebot “CallYa”. Das ist mit 5 Cent pro Minute zu den eigenen Kunden und 15 Cent zum “Rest der Welt” überhaupt nicht mehr teuer. (Mitlesende Ur-Altkunden rufen jetzt sofort die Kurzwahl 22044 mit ihrem CallYa Handy an und stellen ihren Tarif auf CallYa 5/15 um. Tut nicht weh und dauert 2-3 Minuten, bis alle Ansagen durch sind.)
Herr Joussen müßte bei CallYa nur noch ein paar Eckpunkte abschleifen, wie die absurd teuren Datentarife, das Chaos bei den Internetzugängen (der LIVE-APN erlaubt nicht den vollen Zugriff auf das Internet, e-mails via POP3/SMTP sind z.B. nicht vorgesehen) entwirren und den horrenden Auslands-Tarif von 1,99 Euro/Minute = 199 Cent (das waren einmal fast 4 DM) sofort und radikal senken.
Schon wären alle glücklich.
Für die Internet-Community noch den Online-Zugriff auf das eigene Kundenkonto inklusive Einzelverbindungsnachweis einbauen und fertig ist das Ganze.
Dazu braucht es nicht zig verschiedener Marken-Tarife, welche die Kunden nur verwirren und verunsichern.
Die Krönung wäre ein CallYa für 9 Cent pro Minute in alle Netze (inklusive Europa/Festnetz) zu allen Zeiten. Verkauf und Betreuung im Internet, hilft kosten sparen. Das funktioniert ja, wie wir von andern Anbietern wissen, längst tadellos.
Diese Tarifsenkung würde Kosten sparen! Kein Millionenaufwand für teure Marketing und Anzeigen-Kampagnen, um schon wieder eine neue Marke in den Markt zu “penetrieren”, was – siehe o.tel.o – am Anfang schon einmal schief gegangen ist. Und nicht nur da.
Die Deutsche Telekom hätte auf “Congstar” gut verzichten können, wenn sie stattdessen bei Xtra ihre Tarife früher angepaßt hätten. Für Congstar gilt das gleiche wie zu CallYa gesagt: Ein vernünftiges Internet-Portal, wo Kunden auch ihren Einzelverbindungsnachweis online anschauen und ggfs. herunterladen können.
Den Start von Fonic habe ich nie verstanden. Die bestehenden o2-Loop-Tarife hätten sich mit wenigen Handgriffen anpassen lassen. o2 bietet als erster und einziger Netzbetreiber-Prepaid-Tarif einen Online-EVN. Es geht also doch. (Es muß nur noch die Wahlmöglichkeit für “verkürzt” oder “unverkürzt” nachgerüstet werden.) Das gesparte Geld könnte man in die Rufnummernportierung zu o2-Prepaid investieren.
Das Markensammelsurium bei E-Plus habe ich schon öfters beleuchtet. Simyo oder BLAU machen eigentlich jetzt erst Sinn, nachdem das “E-Plus eigene” Prepaid-Angebot namens “Free & Easy” eingestampft wird und Neukunden in Mein-Base eingewickelt werden.
Soll diese Multi-Multi-Markenstrategie die vorhandenen Kunden bewußt verwirren und so verhindern, daß sich Bestandskunden in steinalten und sehr teuren Tarifen nicht trauen zu wechseln, damit sie etwas sparen können?
Klar, was man hat, das hat man. Ein Wechsel ist immer mit Umständen und Risiken verbunden. Aber irgendwann haben die treuen Altkunden genug. Dann werden sie zur besten Negativwerbung für ein Unternehmen, das sich nicht getraut hat, das naheliegendste zu tun: Klar verständliche und bezahlbare Tarife einzuführen und mit Kundenservice und guten und kreativen Angeboten zu punkten.
Oder um es nochmal zu wiederholen: Die beste Werbung für ein Unternehmen sind zufriedene Bestandskunden. Wann lernt die Branche das endlich?
Related posts:
26. January 2010 um 07:52 Uhr
Noch weniger habe ich verstanden warum man bei XtraClick (für Nur-Telefonierer
eigentlich kein schlechtes Angebot) bestraft wird mit absurden Datenpreisen,
kostenpflichtiger Mailbox. Eigentlich hat Big-T DREI Prepaidmarken mit teils
subtilen aber teuren Unterschieden:
-XtraCard
-XtraClick
-Congstar Prepaid
Warum hat nur XtraClick 60/1 Takt?
Warum hat XtraCard keine kostenlose Mailbox?
usw. usf.
26. January 2010 um 09:21 Uhr
Hallo Henning,
deine Gedanken sind wieder wunderbar … aber lass die TK-Branche doch einfach machen … dass nennt sich Wettbewerb. Bei den ganzen guten Gedanken, die wir hier und im TT pflegen, müssten wir eigentlich Stellenangebot als CEO bekommen. Nur … bei mir hat noch keiner angerufen. Diese otelo Geburt ist überflüssig wie nix.
Ich sage nur das die Münchener mit dem hauseigenen “o” wohl eine Menge Erfolg haben, was ich nicht gedacht hätte. Alleine in meinem bescheiden Umfeld sind seit Mai 2008 19 Leute in den o2o gegangen … und davon sind 12 Neukunden für die Blauen.
Die sind alle glücklich … erzählen das weiter und die bekommt man sicher nicht mehr so schnell zu irgendeinem komplizierten Augenwischer-auch-so-günstig-Tarf zum aufladen
26. January 2010 um 11:03 Uhr
Hallo Hennig, dein Wort in Gottes bzw. CEOs Gehörgang,
zufriedene Kunden sind die beste und vor allem preiswerteste Werbung. Wenn Vodafone nun otelo aus dem Kelle rholt, dann will man damit eine Zielgruppe erreichen, die zu otelo-Zeiten noch Windelhosen trug. Also muss man eine Marke komplett neu aufbauen und die Marketingfuzzis können wieder goldene Nasen so hoch tragen, dass es hinein regnet.
Ob für den Kunden dadurch Mehrwert entsteht, sein dahingestellt. Eher versuchen die Netzbetreiber wohl durch Verschleierung, Submarken und intransparente weiterhin auf ihre Kosten zu kommen.
Eigentlich kann man nur hoffen, dass die geheimnisvollen Bieter Nr. 5 und 6 um die digitale Dividende google und Apple sind. Dann würde Vodafone & Co. mal die Hose stramm gezogen und es kämen aggressive Wettbewerber, die nicht um Marktanteile betteln würden. Aber ich denke, das wird nur ein Traum bleiben und wir behalten Apothekenpreise für mobiles Internet, reiben weiter die Communitys klein und freuen uns über marginale Fortschritte, die an anderer Stelle teuer erkauft werden.
Einzig Telefonica zeigt derzeit, was sie wollen und das sie es auch wirklich wollen. Alle anderen sind im Winterschlaf bzw. Schockstarre.
26. January 2010 um 12:43 Uhr
Hallo,
Anbieter 5 und 6 sind hochwahrscheinlich “Media Broadcast” (gehörte früher Big T und jetzt der französischen TDF, sie betreiben Radio und TV-Sender-Netze) und “AirData”, die mit einer provisorischen Lizenz auf 2,6 GHz bereits Internet via Funk in Stuttgart anbieten.
Erwarte also keinen neuen Anbieter, der neue Impulse gibt. Der Zug ist weg.
26. January 2010 um 18:08 Uhr
Hallo,
warum immer neue Submarken geschaffen werden? Weil ein Simyo- oder blau-Kunde niemals Prepaid von T-Mobile nutzen würde, aber sehr wohl eine hippe Marke wie Congstar. Es geht einfach darum, mit verschiedenen Marken verschiedene Typen von Menschen zu erreichen. Warum hat o2 Fonic eingeführt? Weil man o2 niemals als Billig-Marke positionieren möchte (obwohl die ja durchaus preiswert sind). Fonic hingegen wirbt ganz aggressiv mit Minutenpreisen. Das gleiche wiederholt sich jetzt bei Vodafone.
Und warum nicht gleich alle Netzanbieter von vornherein günstig sind? Weil die Controller ganz genau wissen, dass es genug naive Alt-Kunden gibt, die niemals wechseln werden und an denen man blendend verdient. Die Marketing-Kosten für zusätzliche Zweitmarken sind unterm Strich niedriger.
26. January 2010 um 21:44 Uhr
[...] This post was mentioned on Twitter by Henning Gajek, christian steinecke. christian steinecke said: lesenswert: RT @HRGajek Wofür brauchen wir eigentlich #otelo, #Congstar, #Fonic & Co? http://tinyurl.com/yavmwwy [...]
28. January 2010 um 16:14 Uhr
Hallo
Na der Irrsinn geht dann weiter wenn der Discounter sagen wir Fonic bis vor einem halben Jahr mit Loop Karten aufgeladen werden konnte, aber dann von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Als ich mich darüber beschwerte kam eine Entschuldigung und die Meldung, daß die Aufladung mit Loop karte klappte war ein technischer Fehler. Aber Schlecker Mobil von o2 kann man immer noch mit Loop Karten aufladen….
Kann mir das jemand erklären?
Irre…..
28. January 2010 um 16:16 Uhr
Nur mal so am Rande,
ich verstehe nicht wie der “Redakteur” nicht auf die Idee kommt, dass die Einführung einer neuen Marke für den Fortschritt eines Unternehmens steht und der Mensch an sich als Jäger und Sammler auf diesen Trick anspringt, statt seinen alten Vertrag / Prepaid umzustellen und die Werbung von anderen Anbietern allgegenwärtig zu sehen die penetrant “Billig billig und billiger” anbieten.
Das erschließt sich mir nicht ganz.
Flame on!
1. February 2010 um 16:06 Uhr
Man darf bei den Discountertarifen aber nicht die Freiberufler vergessen. Die brauchen:
(a) brauchbare Rechnungen für ihre Aufladungen (von mir aus elektronisch und nur bei Aufladungen über 20 Euro, aber nicht “gibt’s nicht” bei Congstar)
(b) Kurze Zeit zwischen Auslösung der Aufladung und Bereitstellung auf dem Kartenkonto (Congstar braucht hier teilweise sechs Stunden)
(c) Aufladung übers Internet oder übers Telefon, gerne auch automatisch beim Unterschreiten eines bestimmten Guthabenstands
2. February 2010 um 10:37 Uhr
otelo Start …
otelo – so heißt ab heute der neue Prepaid Anbieter aus dem Hause von Vodafone. Neben günstigen 9 Cent pro Minute und SMS bietet otelo die Möglichkeit, in 32 Länder für nur 9 Cent pro Minute zu telefonieren. Zum Start von otelo erhält jeder Neuku……